Känguru Beutel: ALLES was du über Beutel wissen musst

Die meisten Leute wissen, dass Kängurus einen Beutel haben. Doch die Wenigsten wissen was sich in diesem gut versteckten Bereich des Kängurus tatsächlich befindet. Wusstest Du, dass Kängurus gar nicht im Beutel geboren werden? Dieser Artikel räumt mit den Mythen auf und erklärt dir alle Einzelheiten zum Känguru-Beutel.

Känguru Junges im Beutel der Mutter
Känguru Junges im Beutel der Mutter (Source: Ethan Brooke)

Starten wir mit den Grundlagen:

Was ist ein Känguru-Beutel?

Zunächst mpssen wir klären was ein Beutel genau ist. Kängurus sind nicht die einzigen Tiere mit einem Beutel. Neben Kängurus haben auch Tiere wie Koalas einen Beutel.

Der Beutel eines Kängurus ist eigentlich nur eine große Hautfalte mit nur einer Öffnung. Die Öffnung des Känguru-Beutels verläuft horizontal auf der Vorderseite des Körpers vor dem Bauch des Kängurus. Der Beutel ist nach oben geöffnet damit das Jungtier nicht aus dem Beutel fällt. 

Kängurus kontrollieren die Öffnung nur durch die Muskelspannung. Das Muttertier kann so das Jungtier im Beutel halten. Umgekehrt kann die Mutter durch Lockerlassen der Öffnung auch das Jungtier zum Verlassen des Beutels animieren. 

Warum benötigen Kängurus einen Beutel?

Kängurus werden nicht grundlos als Beuteltiere bezeichnet. Der Beutel trägt einen wesentlichen Teil zur Fortpflanzung von Kängurus bei. 

Kängurus benötigen den Beutel weil Neugeborene sehr früh und unterentwickelt als Fötus geboren werden. Der Beutel soll den Jungtieren in den ersten Lebensmonaten bis zur Entwöhnung ein sicheres, warmes Zuhause bieten. 

Der Beutel bietet eine konstant warme und geschützte Umgebung für das hilflose Neugeborene. Das Tier erblickt als relativ unterentwickelter Fötus das Licht der Welt. Der Beutel verdeckt ebenso die Zitzen von denen die Jungtiere die Muttermilch erhalten.

Kängurus sind sehr schnelle Tiere und nutzen diese Fähigkeit um vor Feinden zu flüchten. Im Beutel können Kängurus jederzeit ihre Schützlinge mitnehmen. Dadurch können sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Nachkommen besser vor Feinden schützen. 

Auch nachdem die Nachkommen den Beutel verlassen haben trinken sie weiterhin für einige Monate Muttermilch. Dazu stecken sie den Kopf in den Beutel um an die Zitzen zu gelangen. Währenddessen kann schon das nächste Känguru im Beutel heranwachsen. 

Im Beutel lebt immer nur ein Känguru

Wie viele kleine Kängurus leben in einem Beutel? 

Der Känguru-Beutel wird unter normalen Umständen von maximal einem Jungtier bewohnt. Kängurus bekommen in den meisten Fällen immer nur ein Jungtier. Das nächste Junge wird erst geboren wenn das vorhergehende Jungtier den Beutel endgültig verlassen hat.

Dennoch haben viele Känguru-Arten vier Zitzen im Beutel um mehrere Jungtiere gleichzeitig mit Muttermilch versorgen zu können. 

Rotes Riesenkänguru Jungtier Joey
Source: Fiver, der Hellseher, CC BY-SA 4.0

Auch nachdem ein Känguru den Beutel verlässt verbringt es noch die meiste Zeit mit der Mutter. Die Mutter produziert noch für einige Zeit Milch die an das Alter des Tieres angepasst ist. Die Muttermilch unterscheidet sich jedoch nach dem Alter des Jungtieres. Deshalb kann die Mutter für jede Zitze Milch mit unterschiedlichen Nährstoffen produzieren. 

Nur weibliche Kängurus haben einen Beutel

Du hast dich vielleicht gefragt ob auch männliche Kängurus einen Beutel haben, und ob sie Nachkommen betreuen. Klar ist, dass nicht alle Kängurus einen Beutel haben. 

Nur weibliche Kängurus haben einen Beutel. Weibliche Kängurus werden jedoch ohne Beutel geboren. Der Beutel entwickelt sich erst im Lauf der Zeit. Das liegt auch daran, dass Kängurus blind, extrem klein, und relativ unterentwickelt als Fötus geboren werden. 

Männliche Kängurus haben keinen Beutel. Männchen können auch nicht Milch produzieren. 

Kleine Kängurus benötigen nicht nur einen geschützten Platz, sie benötigen auch Milch die an das Alter angepasst ist. Männliche Kängurus könnten Schutz bieten, sie haben jedoch keine Muttermilch. Deshalb haben Männchen auch keinen Beutel. 

Männliche Kängurus haben mit dem Großziehen der Nachkommen wenig zu tun. Je nach Känguru-Art beschützen Männchen das Weibchen und das Neugeborene für einige Zeit nach der Geburt, bei vielen Arten gibt es jedoch keine besondere Beziehung zwischen der Mutter, dem Männchen und den Nachkommen. 

Kängurus werden nicht im Beutel geboren

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Kängurus im Beutel geboren werden. Doch wo werden Baby-Kängurus geboren? 

Känguru-Babys werden nicht im Beutel geboren. Je nach Känguru-Art werden die Babys als Fötus nach 3 – 4 Wochen Entwicklungszeit durch den Geburtskanal geboren. Die kleinen Tiere klettern danach selbständig in den Beutel der Mutter. 

So läuft die Geburt eines Känguru-Babys ab:

Vor der Geburt putzt die Mutter noch einmal den Beutel. Danach begibt sich das Muttertier in die Geburtsposition. Dabei stützen sich das Tier gerne mit dem Rücken an einem Baum ab. Danach poppt das Baby durch den Geburtskanal. Dieser befindet sich in der Nähe des Schwanzes. 

Wie gelangt das Neugeborene in den Beutel?

Das Neugeborene ist blind, haarlos, und in etwa so groß wie eine Erbse. Es nutzt die besser entwickelten Vorderpfoten um langsam in den Beutel der Mutter zu klettern. 

Dieser Vorgang dauert in der Regel zwischen drei und fünf Minuten. Das folgende Bild zeigt die Öffnung des Geburtskanals (unten) und die Öffnung des Beutels (oben) rot eingekreist:

Känguru Geburtskanal und Beutelöffnung
Öffnung des Geburtskanals und Öffnung des Beutels bei einem weiblichen Westlichen Grauen Känguru

Im Beutel der Mutter klettert das Neugeborene an eine Zitze und bleibt dort für die nächsten Monate. 

Die Zitze schwillt an sobald das Neugeborene anfängt Muttermilch zu trinken. Damit wird das Neugeborene “befestigt”. 

Der gesamte Vorgang ist bei anderen Beuteltieren, wie zum Beispiel dem Koala, sehr ähnlich. 

Lese diesen Artikel (mit Video!) um die Geburt eines Känguru hautnah mitzuerleben. 

Wie lange bleiben Kängurus im Beutel?  

Kängurus wandern sofort nach der Geburt vom Geburtskanal in den Beutel und verbinden sich dort mit meiner der Zitzen für die kommenden Monate. Doch wie lange bleiben die Jungtiere im Beutel? 

Kängurus bleiben die ersten 6 – 10 Monate im Beutel der Mutter. Kleine Rote Riesenkängurus stecken den Kopf nach fünf Monaten zum ersten Mal aus dem Beutel. Rote Riesenkängurus verlassen den Beutel endgültig nach rund 8 Monaten, während Graue Riesenkängurus bis zu 12 Monate im Beutel bleiben. 

Kängurus verlassen nicht sofort den Beutel der Mutter. Sie stecken nach 5 – 6 Monaten zum ersten Mal den Kopf aus dem Beutel und beginnen auch am Gras zu knabbern. Die folgende Tabelle zeigt wann Kängurus zum ersten Mal den Beutel verlassen, und wie lange Kängurus endgültig im Beutel bleiben. 

Wie lange verschiedene Känguru-Arten im Beutel bleiben:

Känguru-ArtNach wie vielen Monaten nach der Geburt das Känguru zum ersten Mal den Beutel verlässtNach wie vielen Monaten nach der Geburt das Känguru endgültig den Beutel verlässt
Rotes Riesenkänguru6 – 7 8 – 9
Westliches Graues Riesenkänguru9 – 10 10 – 12
Östliches Graues Riesenkänguru9 – 1010 – 11
Antilopenkänguru79

Die Tabelle zeigt wie lange verschiedene Känguru-Arten nach der Geburt im Beutel bleiben. Eine Spalte zeigt wann Kängurus zum ersten Mal den Beutel verlassen. Zu dieser Zeit kommen Kängurus immer wieder in den Beutel der Mutter zurück. Die andere Spalte zeigt wann Jungtiere endgültig entwöhnt werden.

Die Tabelle zeigt, dass Rote Riesenkängurus am schnellsten den Beutel verlassen. Die Entwicklung von Grauen Riesenkängurus dauert einige Monate länger. Rote Riesenkängurus werden nach nur einem Jahr entwöhnt, während Graue Kängurus etwa 18 Monate lang von der Mutter abhängig sind. Auch nach dem Verlassen des Beutels sind viele Jungtiere noch für einige Zeit von der Mutter abhängig. 

Bei vielen Känguru-Arten besteht zwischen der Mutter und ihren weiblichen Nachkommen eine langjährige Beziehung. 

Die Beutel-Öffnung wird durch Muskel kontrolliert

Der Beutel hat den Zweck, dass Känguru-Babys einen sicheren Platz zum Aufwachsen haben. Deshalb ist es wichtig, dass Kängurus nicht versehentlich aus dem Beutel fallen können. Wie kommen Känguru-Babys aus dem Beutel rein und raus? 

Das weibliche Känguru kann die Beutel-Öffnung durch Muskelspannung öffnen und schließen. Damit das Jungtier aus dem Beutel gelangt lockert die Mutter die Muskel welche die Öffnung des Beutels kontrollieren. Das kleine Känguru kann dann aus dem Beutel hüpfen. Um zurück in den Beutel zu gelangen hüpft das Tier mit dem Kopf voraus in den Beutel. 

Nach der endgültigen Entwöhnung spannt das Muttertier die Muskel an damit der Nachwuchs nicht mehr in den Beutel gelangen kann. 

Wie sind Kängurubeutel im Inneren?

Känguru Neugeborenes im Beutel
Source: Geoff Shaw

Känguru-Beutel sind von außen kaum zu erkennen, bei vielen Tieren lässt nur eine andere Fellfarbe rund um die Öffnung den Beutel erkennen. Wenig bekannt ist über das Innere des Kängurubeutels. 

Wie sieht das Innere des Känguru-Beutels aus?

Das Inneres des Kängurubeutels ist fast haarlos. Spezielle Drüsen produzieren auf der Innenseite antimikrobielle Mittel die das Känguru-Baby vor Krankheiten schützen. Das Innere wirkt verschwitzt, außerdem ist es feucht und warm. 

Die Körperwärme der Mutter sorgt für die richtige Temperatur damit sich das Känguru-Baby im Beutel entwickeln kann. 

Känguru-Beutel sind nicht schleimig, das Innere des Beutels ist jedoch leicht klebrig. Das soll einerseits das Baby im frühen Entwicklungsstadium unterstützen, andererseits wirkt die Substanz antimikrobiell. 

Stinken Kängurubeutel?

Kängurubeutel stinken prinzipiell nicht. Durch die feuchte Umgebung im Beutel kann jedoch ein ungewöhnlicher Geruch entstehen. 

Känguru reinigt den Beutel
Source: Jeremy Bezanger

Känguru-Babys machen in den Beutel was jedoch zu unangenehmen Gerüchen führen kann. Das Muttertier putzt zwar von Zeit zu Zeit den Beutel, dennoch kann ein ungenehmer Geruch entstehen. Dieser Artikel zeigt wie ein Känguru den Beutel sauber hält

Hat ein Mensch im Känguru Beutel platz?

Ein Mensch hat nicht in einem Känguru-Beutel platz. Sogar Kängurus die kurz vor dem Verlassen des Beutels stehen haben im Beutel kaum Platz. 

Ein Känguru Beutel ist gut dehnbar. Außerdem ist ein Känguru bei der Geburt nur rund 2 Zentimeter groß und hat daher leicht im Beutel platz. Innerhalb der ersten sechs Monate wächst das Känguru deutlich heran. Auch dann hat das kleine Känguru noch gemütlich im Beutel platz. 

Das Känguru links im Bild hat ein großes Jungtier im Beutel

Nach 12 – 18 Monaten, wenn das Känguru endgültig den Beutel verlässt, hat das Känguru kaum noch Platz im Beutel. Auch dann ist das Känguru noch deutlich kleiner als ein Mensch. Das bedeutet, dass ein Mensch nicht in einen Känguru Beutel passt. 

Nur Menschenbabys könnten theoretisch in einen Kängurubeutel passen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.