Was essen Kängurus? Alles zur Kängurunahrung!

Bei meiner letzten Reise in Australien konnte ich zahlreiche Kängurus beim Essen beobachten. Einige Leute versuchten sogar Kängurus zu füttern. Deshalb fragte ich mich, was essen Kängurus? 

Kängurus sind hauptsächlich Pflanzenfresser und Vegetarier. Die Tiere essen in Australien heimische Pflanzen, insbesondere Gräser aber auch blühende Pflanzen, sowie Pilze, Farn und Blätter. Kängurus essen am liebsten frisches Gras.

Östliches Graues Känguru beim Fressen
Känguru beim Fressen in Australien

Die Vorlieben für bestimmte Pflanzenarten sind von der Känguru-Art abhängig. Insbesondere kleine Känguru-Arten sind sehr wählerisch beim Futter. 

Kängurus essen vor allem Gräser und die Verdauung verläuft ähnlich wie bei Kühen. Kängurus sind jedoch keine Wiederkäuer. Prinzipiell sind die Lebensräume von Kängurus beim Grasen ähnlich wie jene von Kühen und Schafen. 

Die Nahrung hängt von der Känguru-Art ab

Das bevorzugte Futter von Kängurus hängt von der Art ab. Man unterscheidet vor allem zwischen ganz kleinen Kängurus mit einem Gewicht kleiner als 5 kg, mittelgroßen, sowie großen Kängurus mit einem Gewicht größer als 30 kg.

Was essen Kängurus am liebsten?

Forscher beobachteten in New South Wales (Australien) welche Pflanzen Kängurus am liebsten fressen:

  • Frisches Gras
  • Grüne Stauden
  • Normales Gras

Weniger beliebt waren:

  • Salz-tolerante Büsche (z. B. Melden)
  • Trockenes Gras
  • Akazien sowie Äste mit Blättern, Knospen, Blüten, oder neue Triebe
  • Maireana (ausdauernde krautige Pflanzen)

Die Forscher entdeckten, dass Kängurus am liebsten frisches grünes Gras fressen, trockenes Gras wird nur gefressen wenn kein besseres Futter zur Verfügung steht. 

Was fressen große Kängurus?

Östliches Graues Känguru beim Fressen
Fressendes Känguru im Murramarang Nationalpark

Die größeren Kängurus wie das Rote Riesenkänguru ernähren sich hauptsächlich von australischen Gräsern. Diese Gräser haben einen großen Anteil an Fasern. Größere Kängurus sind nicht so wählerisch wie kleine Wallabies. 

Kängurus verbringen die meiste Zeit des späten Abends sowie der Nacht auf Wiesen. Dort fressen sie Gras. Dabei bevorzugen die Tiere frische saftige Gräser:

  • Frische Gräser sind leichter zu verdauen als ältere trockene Gräser.
  • Frische Gräser enthalten mehr Nährstoffe als alte trockene Gräser

75 % – 99 % der Nahrung von großen Kängurus besteht aus Gras. Hohe Gräser werden generell vermieden. Kängurus können in Extremsituationen gut von trocken Gräsern leben. Sträucher werden vor allem im Winter oder bei wenig Niederschlag gefressen.

Große Känguru-Arten sind anspruchslos

Große Känguru-Arten haben einen langsameren Stoffwechsel als ihre kleineren Verwandten, die Wallabies. Kängurus können deshalb mit weniger Nährstoffen in Relation zum Körpergewicht überleben. Deshalb können sich Kängurus mit einfachen Gräsern ernähren die wenig Nährwerte liefern. 

Männliche erwachsene Kängurus sind weniger wählerisch als weibliche Kängurus. Es kommt oft vor, dass die männlichen Tiere weniger nährstoffreiche trockene Gräser fressen, während weibliche Tiere bessere bzw. höherwertige Gräser fressen. 

Extreme Trockenheit sowie Überweidung führen dazu, dass sowohl männliche als auch weibliche Kängurus weniger nährstoffreiche und ältere Pflanzen fressen. 

Was fressen kleinere Kängurus wie Wallabies und Quokka?

Quokka ist einen Keks auf Rottnest Island
Ein Quokka frisst menschliche Abfälle auf Rottnest Island

Kleinere Känguru-Arten (Wallabies) müssen aufgrund ihres raschen Stoffwechsel auf die Aufnahme nährstoffreicher Nahrung achten. Wallabies fressen gerne nährstoffreiche Früchte, Samen, frische Triebe, Pilze, Knollen, Blumenzwiebeln, Wurzeln, Trüffel, sowie Blüten. Ansonsten essen sie vor allem Blätter. Diese bestehen aus weniger Fasern als Gras. Gelegentlich essen kleine Känguruarten auch kleine wirbellose Tiere. 

Die Verdauungsorgane und das Gebiss von Wallabies sind weniger angepasst an das Essen von stark faserige Pflanzen wie Gras. Dennoch essen Wallabies und kleinere Känguru-Arten wie Quokkas und Filander (Englisch “pademelon”) gelegentlich faserige Gräser. 

Das Nahrungsangebot wird letztendlich von der Verfügbarkeit bestimmt. Die Verfügbarkeit wird großteils von der Witterung der letzten Wochen bestimmt. 

Die meisten Tiere können jedoch nicht alle Pflanzen fressen. Sie vermeiden beispielsweise die giftigen Eukalyptusblätter.

Fressen Kängurus Fleisch?

Kängurus sind prinzipiell Pflanzenfresser, doch sie essen in Ausnahmefällen Fleisch. Das heißt Kängurus sind Allesfresser und sie wurden bereits beim Essen von toten Vögeln und toten Fischen beobachtet.

Hier ist der Beweis. Ein Westliches Graues Riesenkänguru wurde im Cape Le Grand National Park am Strand beim Essen eines toten Vogels gefilmt: 

Kängurus haben prinzipiell nicht die Fähigkeiten um andere Tiere effektiv zu fangen. Außerdem ist die Verdauung bei Kängurus nicht auf Fleisch angepasst.

Die meisten Pflanzenfresser können gelegentlich Fleisch essen, auch wenn es nicht üblich ist. Prinzipiell nutzen auch Pflanzenfresser die Gelegenheit zur schnellen Aufnahme von lebensnotwendigen Proteinen. Insbesondere dann wenn das zu fressende Tier bereit tot am Boden liegt.

Insbesondere kleine Känguru-Arten ernähren sich zeitweise von Insekten und kleinen Echsen. Kleine Känguru-Arten (z. B. Baumkängurus oder Quokkas) essen jedoch vorwiegend Blätter und Früchte. 

Aufgrund der unterschiedlichen Nahrung ist das Gebiss von Känguru-Arten unterschiedlich ausgeprägt. Kleinere Känguru-Arten müssen auch kleinere wirbellose Tiere zerdrücken können, während große Kängurus vorwiegend Grashalme herausreißen müssen. 

Wie essen Kängurus?

Das Gebiss der Tiere ist an die artspezifischen typischen Mahlzeiten angepasst. Die drei größten Känguru-Arten (Rotes Riesenkänguru, Östliches Graues Riesenkänguru, Westliches Graues Riesenkänguru) essen hauptsächlich lokal heimische Gräser. 

Große Känguru-Arten haben Vorderzähne welche auf das Abhacken und Herausreißen von Gräsern spezialisiert sind. 

Diese großen Kängurus schneiden das Gras nicht direkt mit den Zähnen ab. Sie machen eine kleine ruckartige Bewegung mit dem Kopf um das Gras auszureißen. Danach verwenden sie die Backenzähne um das Gras in kleine Stücke zu zermahlen. Das stark zerkleinerte Futter ermöglicht eine schnellere Verdauung. 

Ganz kleine Känguru-Arten haben Zähne um Insekten sowie kleine Reptilien zu “knacken”. 

Wo finden Kängurus Nahrung?

Kleine Kängurus finden Nahrung im Unterholz von Wäldern. Große Kängurus sind nachtaktiv und fressen am Abend oder in der Nacht Gras auf großen Weideflächen.

Östliche Graue Riesenkängurus Abenddämmerung

Unterschiedliche Känguru-Arten gehen an unterschiedlichen Orten auf Futtersuche. 

Kleine Känguru-Arten sind auf der Suche nach nährstoffreichem Futter. Dieses finden sie im Unterholz von Wäldern. Dort finden sie Knollen, Wurzeln, kleine Früchte, Trüffel, sowie kleine wirbellose Insekten.

Mittelgroße Kängurus sind sind sowohl im Unterholz als auch auf Grasflächen unterwegs. 

Große Kängurus finden die Nahrung vorwiegend im flachen Weideland. 

Es wird angenommen, dass Kängurus nicht weit reisen um besseres Futter zu finden. Man nimmt an, dass der Aufwand um an bessere Orte zu gelangen nicht den erwarteten Mehrwert an Nährstoffen im Futter rechtfertigt.

Wann fressen Kängurus?

Kängurus sind abend- und nachtaktive Tiere. Sie fressen ab dem späten Nachmittag bis zum Sonnenaufgang. Kängurus verbringen zwischen 6 und 8 Stunden am Tag nur mit der Nahrungsaufnahme. 

Ich konnte selbst beobachten, dass manche Tiere auch am Tag auf der Suche nach Futter waren. Die Anzahl an Tieren auf der Suche nach Futter ist in den späten Abendstunden jedoch um ein Vielfaches größer. Ich konnte regelmäßig beobachten wie riesige Wiesenflächen voll mit grasfressenden Kängurus waren:

Mob mit Östlichen Grauen Riesenkängurus im Murramarang Nationalpark
Mob mit Östlichen Grauen Riesenkängurus im Murramarang Nationalpark

Im Sommer verbringen Kängurus weniger Zeit mit der Futtersuche. Grund dafür sind die kürzeren Nächte sowie die längeren Rastzeiten im Schatten bei hohen Temperaturen. 

Verdauung bei Kängurus

Größere Kängurus essen, ähnlich wie Kühe und Schafe, hauptsächlich Gräser welche schwer zu verdauen sind. Im Gegensatz zu Kühen und Schafen sind Kängurus keine Wiederkäuer. Das bedeutet, dass Kängurus die Pflanzen extrem gut kauen und zerkleiner müssen bevor sie in den Magen gelangen. 

Der Magen von Kängurus ist vergleichsweise groß um eine große Menge an Futter mit niedrigem Nährstoffanteil zu verdauen. Kängurus vergären das Futter. Dabei werden Polysaccharide in Nährstoffe umgewandelt. 

Western Grey Kangaroos (Westliche Riesenkängurus) können dem Futter mehr Nährstoffe entziehen als ihre Verwandten die Eastern Grey Kangaroos (Östliche Riesenkängurus). Diese wiederum haben eine bessere Verdauung als Red Kangaroos (Rote Riesenkängurus). 

In Dürreperioden können Kängurus das Futter länger im Magen behalten und besser fermentieren. Das Futter wird deutlich trockener ausgeschieden. In Zeiten mit einem besseren Nahrungsangebot können Kängurus mehr essen und scheiden die Reste dafür früher aus. 

Nur die kleinsten Kängurus, wie zum Beispiel das Moschusrattenkänguru, haben einen normalen Magen der nicht auf die Vergärung von Gräsern spezialisiert ist. Sie essen deshalb hauptsächlich Früchte und kleine Insekten. 

Darf man Kängurus füttern?

Westliches Graues Riesenkänguru Lucky Bay
Ein neugieriges Känguru

Wie Anfangs erwähnt konnte ich bei meiner Australien-Reise zahlreiche Personen beobachten die Kängurus fütterten. Doch darf man Kängurus tatsächlich füttern?

Kängurus in der Wildnis sollten nicht gefüttert werden. Die Tiere sind das Futter welches sie von Menschen bekommen nicht gewöhnt und können es schwer verdauen. Das kann den Tieren schaden. In bestimmten Regionen wie zum Beispiel Rottnest Island ist es verboten Quokkas (eine kleine Känguru-Art) zu füttern. 

Insbesondere Brot und andere gebackene Lebensmittel sollten keinesfalls an Kängurus verfüttert werden. 

Menschen können über das Futter Krankheiten übertragen welche für Kängurus gefährlich sind. Deshalb ist es ratsam, dass man Kängurus nicht füttert und auch nicht berührt. 

Was essen Baby Kängurus?

Westliches Känguru Joey Baby

Wie bei anderen Säugetieren gibt es auch bei Kängurus einen großen Unterschied bei der Nahrung zwischen Neugeborenen und ausgewachsenen Tieren. Was essen Baby-Kängurus?

Ein Baby-Känguru ernährt sich von Muttermilch die an das Alter des Tieres angepasst ist. Es ist in den ersten Lebensmonaten fest mit einer der vier Zitzen im Beutel der Mutter verbunden. 

Kängurus werden nicht im Beutel geboren, sondern müssen nach der Geburt blind in den Beutel der Mutter zu einer Zitze klettern um Nahrung zu erhalten

Nach ungefähr 8 Monaten schauen Baby-Kängurus (auch Joeys genannt) zum ersten Mal aus dem Beutel der Mutter. Dann beginnen die kleinen Tiere damit gelegentlich am Gras zu knabbern während auch die Mutter Gras frisst. Dennoch ernähren sich die Tiere auch in dieser Zeit hauptsächlich von der Milch ihrer Mutter. 

Selbst wenn das Känguru-Kind den Beutel verlässt und bereits ein neues Baby im Beutel wohnt, stellt die Mutter speziell angepasste Nahrung für das außerhalb lebende Kind zur Verfügung. Das kleine Känguru steckt dazu die Schnauze in den Beutel und ernährt sich gelegentlich über eine der freien Zitzen von der Muttermilch. 

Erst nach dem Entwöhnen ernähren sich Kängurus ausschließlich mit der gleichen Nahrung wie die ausgewachsenen Kängurus. 

Frisch entwöhnte Kängurus verfügen jedoch selten über ausgeprägte Reserven. Deshalb werden sie leicht Opfer von länger anhaltenden Dürreperioden. 

Wie viel Futter müssen Kängurus zu sich nehmen?

Kängurus benötigen nur rund 50 – 70 % der Energie von vergleichbar großen Säugetieren. Mittelgroße Kängurus benötigen etwa 500 – 600 g Nahrung pro Tag. 

Aufgrund des niedrigen Nährstoffanteils im Futter müssen Kängurus dennoch einen Großteil ihrer aktiven Zeit mit der Suche nach Futter verbringen. Die meisten Känguru-Arten verbringen den späten Abend, die Nacht, sowie den Frühen Morgen mit der Suche nach Futter. 

Kängurus müssen ein großes Volumen an Futter zu sich nehmen und benötigen deshalb einen großen Magen. Die Verdauung mittels Fermentation benötigt länger als eine gewöhnliche Verdauung, auch deshalb muss der Magen größer sein. 

Kängurus fressen im Sommer weniger Gras

Die Zeit und Menge der Nahrungssuche ist auch von der Jahreszeit und den äußeren Umweltbedingungen abhängig. An heißen Sommertagen fressen Kängurus nur halb so viel wie an kühlen Wintertagen. Im Sommer versuchen Kängurus den Energieaufwand der für die Futtersuche notwendig ist zu reduzieren. So soll auch die Körpertemperatur reduziert werden. Im Winter benötigen Kängurus mehr Energie um die erforderliche Körpertemperatur aufrecht zu halten.

Wie finden Kängurus bei Trockenheit Wasser?

Kängurus sind gut an die typischen Bedingungen in ihrem Lebensraum angepasst. Allgemein gilt, dass Kängurus bei einer Wasserknappheit weniger trinken und für eine gewisse Zeit mit weniger Wasser auskommen können. Aber wie finden Kängurus Wasser?

Kängurus kennen ihr Revier sehr gut und kennen deshalb alle Wasserstellen. Bei extremer Trockenheit können Kängurus einige Zeit nur vom Wassergehalt der gefressenen Gräser leben.

Westliches Graues Riesenkänguru an einer Wasserstelle

Kängurus können einen gewissen Anteil an Wasser über die Nahrung aufnehmen. Ist der Wasseranteil in der Nahrung zu gering müssen sie an Wasserstellen Wasser trinken. 

Menschen haben den Tieren das Überleben in bestimmten Gebieten vereinfacht. 

Wasserstellen für Rinder und Schafe werden oft von Kängurus genutzt um Wasser zu trinken. Das kann dazu führen, dass Kängurus in Regionen eindringen in denen sie früher nicht heimisch waren.

Wasserstellen haben dazu beigetragen, dass sich das Verbreitungsgebiet von Eastern Grey Kangaroos (Östliche Riesenkängurus) östlich der Blue Mountains vergrößerte wo früher nur Rote Riesenkängurus heimisch waren. 

Ich habe bereits einen eigenen Artikel über das faszinierende Wassermanagement bei Kängurus geschrieben. Details zum Thema Wasser und Kängurus können hier im Detail nachgelesen werden.

Östliches Graues Riesenkänguru trinkt Wasser
Trinkendes Känguru

Kängurus können auch mehrere Kilometer entfernte Wasserstellen aufsuchen. Hüpfen ist für Kängurus eine energieschonende Art der Bewegung, und durch die unregelmäßige Wasseraufnahme zahlt sich auch eine weite Reise zu Wasserstellen in extremen Trockenzeiten aus. 


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