Wie lange bleiben Känguru-Babys im Beutel?

Kängurus sind Beuteltiere. Bei meiner Reise durch Australien konnte ich immer wieder Jungtiere im Beutel der Mutter beobachten, in manchen Beuteln war jedoch kein Tier zu erkennen. Wie lange bleiben Kängurus im Beutel der Mutter? 

Die Babys vieler Känguru-Arten bleiben für 8 – 11 Monate im Beutel der Mutter. Zum ersten Mal verlassen sie den Beutel etwa 6 – 9 Monate nach der Geburt. Die Jungtiere verlassen den Beutel endgültig je nach Art etwa 8 bis 12 Monate nach der Geburt.

Känguru Junges im Beutel der Mutter
Känguru Junges im Beutel der Mutter (Source: Ethan Brooke)

Auch nach dem Verlassen des Beutels sind junge Kängurus auf das Muttertier angewiesen. Sie stecken bis zu einem Alter von ca. 1,5 Jahren den Kopf in den Beutel um Muttermilch zu trinken. 

Der Ablauf von der Geburt bis zum selbständigen Känguru besteht aus den folgenden Lebensereignissen:

  • Geburt 
  • Der erste Weg in den Beutel
  • Das erste Verlassen des Beutels
  • Endgültiges Verlassen des Beutels und Leben neben der Mutter
  • Entwöhnung
  • Die Zeit nach der Entwöhnung bis zur Sexualreife

Kängurus sind Beuteltiere. Das bedeutet nicht, dass Kängurus im Beutel der Mutter geboren werden. Die Tiere verbringen dort jedoch ihre ersten Lebensmonate nach der Geburt. 

Zeit im Beutel

Ein Großteil der Entwicklung des Jungtieres geschieht im Beutel der Mutter.  Die folgende Tabelle zeigt wie lange Kängurus im Beutel der Mutter blieben:

Känguru-ArtVerlässt den Beutel zum ersten Mal (Alter in Monaten)Verlässt den Beutel endgültig (Alter in Monaten)Trinkt Muttermilch im Beutel (Alter in Monaten)
Rotes Riesenkänguru68 – 912
Östliches Graues Riesenkänguru8 – 109 – 1118
Westliches Graues Riesenkänguru9 –  1010 – 1118
Antilopenkänguru7912 – 13
Quokka5 – 66 – 78

Die Tabelle zeigt, dass Kängurus nach sechs bis neun Monaten erstmalig den Beutel verlassen. Innerhalb dieser Zeit erleben junge Kängurus ein unglaubliches Wachstum.

Ein Jungtier (Joey) wiegt bei der Geburt etwa 1 Gramm. Bei den größeren Känguru-Arten (z. B. Rotes Riesenkänguru, Westliches Graues Riesenkänguru, Östliches Graues Riesenkänguru) wiegt ein Jungtier beim Verlassen des Beutels etwa 4 kg. 

Geburt von Kängurus und Zeit im Beutel

Kängurus werden nach einer kurzen Schwangerschaft geboren. Die Entwicklungszeit bis zur Geburt beträgt rund einen Monat. Der Fötus muss vom Geburtskanal der Mutter eigenständig in den Beutel der Mutter kriechen. Die Öffnung des Geburtskanals ist auf der Unterseite des Bauches: 

Känguru Geburtskanal und Beutelöffnung
Öffnung des Geburtskanals und Öffnung des Beutels bei einem weiblichen Westlichen Grauen Känguru

Das Bild zeigt rot eingekreist den Geburtskanal (unten) aus dem das Jungtier (Joey) geboren wird. Das Neugeborene muss dann selbständig vom Geburtskanal über das Fell der Mutter in den Beutel kriechen. Die Öffnung des Beutels wurde ebenfalls rot eingekreist. 

Wie sieht ein neugeborenes Känguru aus wenn es in den Beutel gelangt?

Das Tier ist nach der Geburt blind, etwa 2 cm groß, ohne Fell, und hat Hinterbeine die nur als kleine Stümpfe erkennbar sind. Einzig die Vorderpfoten sind schon etwas besser entwickelt. Nur mit Hilfe der Vorderpfoten muss das Tier vom Geburtskanal bis zu einer der vier freien Zitzen im Inneren des Beutels kriechen. Dieser Artikel zeigt die Känguru-Geburt mit Video! 

Das folgende Foto zeigt ein Neugeborenes kurz nach der Geburt an einer Zitze im Beutel:

Känguru Neugeborenes im Beutel
Source: Geoff Shaw

Kängurus sind keine Nestflüchter. Sie bleiben so lange im Beutel der Mutter bis sie eigenständig lebensfähig sind. Das oben gezeigte Bild zeigt, dass Kängurus nach der Geburt nicht selbständig lebensfähig sind. Die Neugeborenen sind praktisch nicht als Känguru erkennbar. 

Was tut die Mutter für das Neugeborene im Beutel?

Die Jungtiere werden in dieser Zeit kaum von der Mutter beachtet. Lediglich regelmäßiges Reinigen des Beutels durch Auslecken deutet auf das junge Tier im Beutel hin. Ein Joey ist, abhängig von der Känguru-Art, in den ersten vier bis fünf Lebensmonaten permanent im Beutel und mit der Zitze der Mutter verbunden. 

Erste Bewegungen sind im Alter von rund 3-4 Monaten von außerhalb des Beutels erkennbar. Je näher der erste Ausflug außerhalb des Beutels kommt, desto mehr bewegt sich das junge Känguru im Beutel. Die Augen öffnen sich erstmalig erst 1-2 Monate bevor das Känguru zum ersten Mal aus dem Beutel sieht. 

Erste Schritte außerhalb des Beutels

Bevor Kängurus zum ersten Mal den Beutel verlassen stecken sie den Kopf schon einige Male heraus. Dabei knabbern sie gerne an Grashalmen wenn diese in ihrer Reichweite sind. Sie ernähren sich jedoch vorwiegend von der Muttermilch. Diese erhalten sie über eine Zitze im Beutel der Mutter.

Doch wie kommen Joeys zum ersten Mal aus dem Beutel heraus?

Beim ersten Mal verlassen die kleinen Kängurus den Beutel durch Herausfallen. Dabei spielt die Mutter eine aktive Rolle durch Lockerlassen der Muskeln welche die Beutelöffnung kontrollieren. 

Rund einen Monat bevor Kängurus endgültug den Beutel verlassen beginnen sie eigenständig aus dem Beutel heraus und wieder hereinzuhüpfen. Sie gewöhnen sich dabei langsam an das Leben außerhalb des Beutels und beginnen auch immer mehr Nahrung abseits der Muttermilch aufzunehmen. 

Dennoch kehren die jungen Tiere immer noch in den Beutel zurück um dort auch Muttermilch zu erhalten. Eine Känguru-Mutter behält immer ein wachsames Auge auf ihr Kind.

Warum Kängurus den Beutel verlassen müssen

Rotes Riesenkänguru Jungtier Joey
Source: Fiver, der Hellseher, CC BY-SA 4.0

Im Wesentlichen gibt es drei Gründe warum junge Kängurus endgültig den Beutel verlassen müssen:

  • Das junge Tier wird zu groß: Kängurus wachsen in den ersten Lebensmonaten zu einer beachtlichen Größe heran. Der Känguru-Beutel ist extrem elastisch, doch beim Zeitpunkt des “Auszugs” ist für das Jungtier nur mehr wenig Platz. Oft stehen die Hinterbeine oder der Schwanz des jungen Tieres bereits aus dem Beutel heraus. 
  • Platz für Neugeborene: Die Mutter muss für neuen Nachwuchs sorgen. Kängurus haben in den ersten Lebensjahren eine relativ hohe Sterblichkeitsrate, deshalb muss die Mutter schnellstmöglich für weitere Nachkommen sorgen. Im Beutel ist jedoch immer nur Platz für ein Tier. Das entwöhnte Känguru wird also durch ein neugeborenes Känguru im Beutel ersetzt. 
  • Eigenständigkeit: Kängurus müssen eigenständig werden und lernen sich selbst zu versorgen.   

Ein junges Känguru verlässt den Beutel nur ungerne. Deshalb muss die Mutter dem Joey  den Zutritt zum Beutel verwehren. 

Dieses Bild zeigt beim Känguru auf der linken Seite wie die Hinterbeine und der Schwanz bei einem großen Joey bereits aus dem Beutel herausstehen:

Känguru-Junges im Beutel der Mutter
Großes junges Östliches Graues Riesenkänguru im Beutel der Mutter

Kurz vor dem Auszug

Etwa eine Woche bevor das Känguru den Beutel endgültig verlässt beginnt die Mutter mit der schrittweisen Zurückweisung des jungen Tieres. 

Das bedeutet, dass die Mutter das Junge gelegentlich ignoriert, oder beim Versuch in den Beutel zu gelangen nicht aktiv mithilft. Manchmal bewegt sich die Mutter auch fort wenn das Kleine den Kopf in den Beutel stecken möchte. 

Dennoch ruft die Mutter ihr Junges in Gefahrensituationen herbei um gemeinsam schnell flüchten zu können. Der Sprung in den Beutel dauert dann nur wenige Sekunden.  

Wie gelangt ein Joey in den Beutel?

Das folgende Video zeigt wie die Mutter die Versuche des jungen Känguru zunächst ignoriert:

Im Video ist auch zu sehen, dass das junge Känguru nur mit Hilfe der Mutter in den Beutel gelangen kann. Ohne Mithilfe der Mutter kann das Junge nur den Kopf in den Beutel stecken. Erst sobald sich die Mutter nach vorne bückt gelangt das junge Känguru mit dem gesamten Körper in den Beutel. 

Das junge Känguru lernt in der Zeit, dass es nur in Gefahrensituationen in den Beutel darf.

Das Leben nach dem Auszug aus dem Beutel

Zwischen dem ersten Verlassen und dem endgültigen Verlassen des Beutels vergehen etwa 1 – 2 Monate. Die Tiere sind dann zwischen 12 und 18 Monate alt. 

Zu dieser Zeit hat das junge Tier etwa 20 % des Körpergewichts der Mutter. Rote Riesenkängurus wiegen zwischen 4 und 5 kg wenn sie endgültig den Beutel verlassen.

Kängurus am Strand
Kängurus am Strand

Wie geht das junge Känguru mit der neuen Eigenständigkeit um?

Das junge Känguru versucht in den ersten Tagen immer wieder in den Beutel zu gelangen. Die Mutter hilft jedoch nicht mit, daher kann das junge Känguru nicht in den Beutel hüpfen. Diese Versuche enden jedoch nach ein paar Tagen. 

Was darf das junge Tier mit der Mutter tun?

Das junge Tier darf lediglich die Schnauze in den Beutel stecken um Muttermilch zu erhalten. Mit der Zeit wird auch die Aufnahme der Muttermilch immer mehr reduziert. Je mehr gewöhnliche Nahrung wie Gräser und Blätter das junge Känguru zu sich nimmt, desto weniger Muttermilch benötigt es. 

Was tut die Mutter nachdem das junge Känguru den Beutel verlässt?

Sobald das junge Känguru nicht mehr in den Beutel darf, erfolgt bei vielen Känguru-Arten oft innerhalb weniger Tage bis Wochen die Geburt eines neuen Känguru. Viele Känguru-Arten können die Geburt verzögern. Damit wird die Zeit der Paarung vom Zeitpunkt der Geburt entkoppelt. So kann zeitnah nach dem Verlassen des jungen Tieres ein neues Tier geboren werden. Das kann im Beutel innerhalb der nächsten Monate heranwachsen.  

Bindung mit der Mutter nach dem Verlassen des Beutels

Ein junges Känguru bleibt auch nach dem Verlassen des Beutels immer in der Nähe der Mutter. Es verlässt sich auch im Gefahrenfall weiterhin darauf, dass die Mutter den Weg zur Sicherheit weist. 

Rufe der Mutter

Die Mutter kann mit einem besonderen Geräusch das junge Känguru zu sich rufen. Dies geschieht im Gefahrenfall, oder wenn sich das junge Känguru verirrt hat. 

Das junge Känguru steckt noch mehrmals täglich den Kopf in den Beutel der Mutter um Muttermilch zu trinken. Die Mutter pflegt auch weiterhin das Fell des Nachkömmlings.

Wann verändert sich die Beziehung zwischen der Mutter und dem Joey?

Das Verhalten zwischen der Mutter und den Nachkommen verändert sich erst mit der Entwöhnung und insbesondere mit dem Erreichen der sexuellen Reife. 

Entwöhnen von jungen Kängurus

Antilopenkängurus und Rote Riesenkängurus werden im Alter von einem Jahr endgültig entwöhnt. Die Grauen Riesenkängurus werden im Alter von 1,5 Jahren entwöhnt. Die genaue Zeit der Entwöhnung ist jedoch stark abhängig von den äußeren Lebensbedingungen. Kängurus können deshalb auch deutlich später entwöhnt werden. 

Wie zeigt sich die Entwöhnung?

Das junge Tier trinkt immer seltener Muttermilch über die Zitze im Beutel. Bei der Entwöhnung verweigert die Mutter endgültig die Abgabe von Muttermilch. Das junge Känguru versucht noch für einige Tage Muttermilch zu erhalten. Diese Versuche enden jedoch nach wenigen Tagen. 

Westliche Graue Riesenkängurus bei der Futtersuche am Strand
Westliche Graue Riesenkängurus bei der Futtersuche am Strand

Das Entwöhnen hat ansonsten keine wesentlichen sozialen Auswirkungen auf das Verhalten zwischen der Mutter und dem Nachwuchs. Erst mit dem Erreichen der sexuellen Reife wird der Nachwuchs schrittweise eigenständiger. 

Wie verhalten sich Männchen und Weibchen nach dem Entwöhnen? 

Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen. 

Männchen verlassen das Revier der Mutter oft 1 – 2 Jahre nach dem Entwöhnen. 

Weibchen haben oft eine lebenslange Bindung zur Mutter. 

Fazit: So lange bleiben Kängurus im Beutel der Mutter

Kängurus bleiben für die ersten Lebensmonate permanent im Beutel und ernähren sich über eine Zitze im Beutel der Mutter. Im Alter zwischen 6 und 10 Monaten verlassen Kängurus zum ersten Mal den Beutel, kehren jedoch zurück. 

Erst zwei Monate später müssen die jungen Tiere den Beutel endgültig verlassen. Sie dürfen jedoch weiterhin ihre Schnauze in den Beutel stecken um Muttermilch zu trinken. 

Währenddessen wächst bereits das nächste Joey im Beutel der Mutter heran. 

Mit einem Alter zwischen 12 und 18 Monate werden die Tiere endgültig entwöht und haben keinen Zugang zum Beutel. 

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